Ehrgeiz: an.

FZ-Redakteurin Lisa fühlt sich im Rätsel-Game “Die Schule” vom Jungen DT aus Berlin, als könnte sie gleich beim FBI anfangen.

Applaus, Applaus!

Lisa

Schule. Das ist bei mir jetzt schon fünf Jahre her. Ein Mikrokosmos, der für eine Zeit die Welt zu sein schien. Und so ein kleiner Kosmos aus Gemeinschaftsgefühl, neuen Bekannten und kniffligen Aufgaben ist auch das interaktive Rätselgame des Jungen DT.

Zu Beginn werden wir aufgefordert,  alle einen Gegenstand holen, der uns Wärme und Geborgenheit vor dem Screen gibt. Ich sitze auf dem Bett meiner Schwester und schnappe mir ein großes Kissen. Die anderen zeigen: eine Mütze, einen besonderen Stein, eine Clownsnase und ein Wärmekissen. Wir sollen erzählen, warum wir genau diese Gegenstände ausgesucht haben. Vielleicht ein wenig aufgedrückt, dieser Tiefgang (ich hatte keine besondere Geschichte zu bieten), aber auf der anderen Seite auch ein gut gewählter Einstieg, um sich gegenseitig kennenzulernen. Um sich zu trauen, das Mikro einzuschalten und was zu sagen. Ohne, dass etwas Falsches oder Unwichtiges gesagt werden kann, weil ja nunmal nach einer persönlichen Empfindung oder Erinnerung gefragt wurde. Tatsächlich haben wir am Ende doch alle etwas zu sagen und bieten uns damit gegenseitig Einblicke in die Leben, die sich für das Stück digital versammelt haben.

Wie in der echten Schule

Mit den Gegenständen und dem persönlichen Kennenlernen bleibt es jedoch bei dieser anfänglichen Aufgabe.Was ich zunächst ein bisschen schade finde, weil es dadurch nur Werkzeug zum Erstellen eines Gruppengefühls bleibt. Gleichzeitig erwachen Schulgefühle. Ich muss an eine Klassenfahrt zum Stärken des Zusammenhalts meiner alten Klasse denken, bei der wir uns stundenlang auf einem glitschigen Baumstamm dem Alphabet nach sortieren sollten. Wir standen aufgereiht nebeneinander, versuchten uns aneinander vorbeizuquetschen, um an die richtige Stelle zu kommen - und mussten wieder von vorne anfangen, sobald eine*r runterfiel. So eine aus jedem Kontext gefallene Aufgabe, die uns einen gesamten Tag und viel Wut auf die Betreuer*innen kostete, uns aber trotz allem mit einem Gefühl von HA! Jetzt ham wirs euch aber gezeigt! entließ. Und dann denke ich, dass das anfängliche Kennenlernen vielleicht doch nicht nur einen formalen, sondern auch einen inhaltlichen Zweck erfüllt.

Im weiteren Verlauf des Rätselgames spricht uns Laura mit unseren Namen an, die bei Zoom unter unserem Videobild stehen. Wie in der Schule fordert sie die auf, die etwas stiller sind, ihren Bildschirm zu teilen, um das nächste Rätsel zu lösen. Sie schafft es, uns alle zu integrieren, selbst als es sich nach knapp zwei Stunden etwas zieht und ich einfach nur noch die finale Lösung wissen will. Denn ich merke, dass es mir eigentlich nicht so richtig um die Story geht: ich bin nicht emotional darin investiert, die verschwundene Emmi zu finden, sondern interessiere mich für das Rätseln an sich. Das gemeinsame Knobeln ist das, was mich dabei bleiben lässt.

Der neue Star im FBI

Alle von uns haben ihren eigenen kleinen Star-Moment (ich zum Beispiel muss mehrmals mit der Theaterkids-Anführerin Kim telefonieren, ihr schmeicheln und versuchen, so neue Informationen rauszukriegen). Trotzdem fühlt sich alles gemeinschaftlich an. Gerade dass jede*r verschiedene Schulordner mit Hinweisen bekommen hat, trägt dazu bei, dass wir zusammenarbeiten müssen. Die Rätsel lassen sich nur durch das Kombinieren von Hinweisen lösen, die auf die Materialien verteilt sind. Im Telegram-Chat teilen wir Bilder von Zahlencodes, Kritzeleien und Morsezeichen, die wir auf den Blättern finden und fügen sie so zusammen, dass wir auf eine Lösung kommen.Mein Ehrgeiz-Modus ist angeschaltet. Ich will, dass wir es schaffen. Jedes Mal, wenn wir einen neuen Code knacken, fühle ich mich sowas von schlau und kombinationstechnisch begabt, als könnte ich gleich beim FBI anfangen: Es macht Spaß. Und ist fast immer genau richtig: nicht zu schwer und nicht zu leicht, um den Spaß daran nicht zu verlieren.

Es lässt sich also sagen: “Die Schule” ist das, was sie verspricht zu sein. Ein aufwendig gestaltetes, interaktives Rätselgame, das sich nur in Zusammenarbeit lösen lässt. Hier ist es spannender, zu rätseln, als sich zu fragen, aus welchem Grund jetzt eigentlich gerade gerätselt wird. Ein bisschen Schnitzeljagd, ein bisschen so, als hätten wir für zwei Stunden unseren eigenen Detektiv*innenclub gegründet. Und das ist richtig schön.